Was ist Spermidin? Wirkung, Nebenwirkungen & beste Quellen

Spermidin gilt als eines der spannendsten Moleküle für Langlebigkeit. Studien zeigen, dass es die Autophagie aktiviert – ein Zellreinigungsprozess, der das Altern verlangsamen kann.

Doch was sagt die Wissenschaft wirklich? In diesem Artikel erfährst du alles über Wirkung, Nebenwirkungen & die besten natürlichen Quellen für Spermidin

Was du in diesem Beitrag findest

Was ist Spermidin?

Spermidin ist ein natürlich vorkommendes Polyamin – eine organische Verbindung mit mehreren Aminogruppen – die in allen lebenden Zellen vorkommt.
Seinen ungewöhnlichen Namen erhielt er, da die verwandten Spermine bereits 1678 in menschlichem Sperma entdeckt wurden [1].

Was wir heute wissen:

Spermidin ist überall im Körper zu finden, vom Blut bis in die Zellkerne. Dank seiner positiven Ladungen kann Spermidin sich an negativ geladene Moleküle (z.B. DNA oder RNA) binden. Spermidin übernimmt dadurch wichtige zelluläre Funktionen: Es stabilisiert DNA und RNA, unterstützt das Zellwachstum und die Zellteilung, hat antioxidative Eigenschaften und wirkt in verschiedenen Stoffwechselprozessen [1].

Kurz gesagt – ohne Spermidin könnten unsere Zellen nicht richtig funktionieren.

Was ist Spermin / Spermine?

Spermine (auf Deutsch oft Spermin genannt) ist ein enger Verwandter von Spermidin und gehört ebenfalls zur Polyamin-Familie.

Chemisch gesehen ist Spermine eigentlich Spermidin plus einer weiteren Aminogruppe: Während Spermidin drei Aminogruppen trägt, hat Spermine vier. Diese zusätzliche Aminogruppe macht Spermine noch positiver geladen und es kann damit noch stärker mit negativen Molekülen (z.B. der DNA) interagieren.

Wie sind Spermin & Spermidin miteinander verbunden?

Im Körper sind Spermidin und Spermine direkt miteinander verbunden – Spermin wird aus Spermidin hergestellt. Das heißt, Spermidin dient als Vorstufe für die Bildung von Spermine [2].

Beide Stoffe kommen typischerweise zusammen in Zellen vor und erfüllen ähnliche Funktionen bei der Stabilisierung von Nukleinsäuren und der Regulation des Zellwachstums.

Allerdings hat Spermidin zusätzlich andere Anti-Aging-Eigenschaften (z.B. Autophagie-Induktion), die Spermine nicht im gleichen Maß besitzt. Das macht Spermidin in Bezug auf gesundes Altern möglicherweise wertvoller.

Darstellung von Weizenkeimlingen - die primäre Quelle für Polyamine

Warum ist Spermidin wichtig für die Zellgesundheit?

Spermidin wird oft als „Zellschutz“-Molekül bezeichnet, da es viele lebenswichtige Prozesse unterstützt, die zur Erhaltung der Zellgesundheit beitragen und möglicherweise mit einer verlängerten Lebensspanne in Verbindung gebracht werden.
Unter anderem die Autophagie, DNA-Stabilisierung und -Reparatur, Proteostase, Mitochondrienfunktion, Stoffwechselregulation sowie antioxidative und entzündungshemmende Mechanismen.

1. Autophagie: Spermidin als zellulärer Reinigungsmechanismus

Autophagie ist ein natürlicher Selbstreinigungsprozess der Zellen, der mit zunehmendem Alter abnimmt. Er spielt eine zentrale Rolle bei der Entfernung beschädigter Zellbestandteile und trägt zur Lebensverlängerung bei.

Ein wichtiger Effekt von Spermidin ist die Aktivierung dieser zelleigenen Recycling- und Reinigungsprozesse. Dabei werden defekte Proteine, beschädigte Zellbestandteile und toxische Ablagerungen abgebaut und wiederverwertet. 

Dies ist entscheidend für die Zellgesundheit, da sich solche Abfallstoffe mit dem Alter ansammeln und mit Erkrankungen wie Neurodegeneration, Herzkrankheiten und Krebs in Verbindung gebracht werden.

Unterstützung der Autophagie über mehrere Wege:

  • Es hemmt das Enzym EP300 (E1A-Bindungsprotein p300), das normalerweise die Autophagie unterdrückt. Dadurch wird der Zellreinigungsprozess aktiviert.
  • Studien zeigen, dass Spermidin eine ähnliche Autophagie-fördernde Wirkung wie das Medikament Rapamycin hat. Im Gegensatz zu Rapamycin wirkt Spermidin jedoch weitgehend unabhängig vom klassischen mTOR-Signalweg, einem wichtigen Steuermechanismus für Zellwachstum und Stoffwechsel. [3]

Forscher gehen davon aus, dass die gesundheitsfördernden und lebensverlängernden Effekte hauptsächlich auf der Fähigkeit beruhen, die Autophagie zu aktivieren.

Ein Älteres, vitales Paar beim Drachensteigen. Sport verbessert die Mitochondrien Funktion, was zu mehr Energie & Vitalität führt

2. DNA-Stabilisierung, -Reparatur und Genregulation

Spermidin interagiert direkt mit der DNA und RNA. Da Polyamine wie Spermidin positiv geladen sind, binden sie an die negativ geladene DNA und stabilisieren ihre Struktur.

Diese Wechselwirkungen haben mehrere Vorteile:

  • Schutz vor DNA-Schäden: Spermidin wirkt als Radikalfänger und reduziert Zellschäden, die durch oxidativen Stress, UV-Strahlung oder Umweltgifte entstehen.
  • Förderung der DNA-Reparatur: Spermidin unterstützt Reparaturenzyme, die defekte DNA wiederherstellen. Außerdem sorgt es dafür, dass die DNA kompakt verpackt bleibt, sodass die Reparaturmechanismen effizienter arbeiten können [4]
  • Unterstützung der Zellteilung und Genaktivität: Damit sich Zellen gesund teilen und ihre Gene richtig ablesen können, sind Polyamine wie Spermidin notwendig

Dank dieser schützenden Eigenschaften wird das Polyamin auch als „Genomschutzstoff“ bezeichnet. Es fungiert wie ein Schutzschild für die DNA und trägt zur langfristigen Stabilität des Erbguts bei. [4]

Merke: Mangel fördert Alterung

Folglich: Ein Mangel bzw. die Unterversorgung kann die DNA instabil machen, was mit Zellalterung und Krebs in Verbindung gebracht wird.

3. Mitochondriengesundheit und Energieproduktion

Mitochondrien sind die „Kraftwerke der Zelle“ und produzieren den universellen Energieträger ATP (Adenosintriphosphat). Mit zunehmendem Alter oder durch chronischen Stress kann es zu einer mitochondrialen Dysfunktion kommen. Dies äußert sich in:

  • einer geringeren Energieproduktion (weniger ATP),
  • einer erhöhten Bildung schädlicher freier Radikale (ROS – reaktive Sauerstoffspezies, Moleküle mit hoher chemischer Reaktionsbereitschaft) und
  • einer eingeschränkten Zellatmung.

Das bemerkt man im Alltag, indem man sich langsamer, müder, weniger belastbar und mental erschöpfter fühlt.

Wie Mitochondrien unterstützt werden

Spermidin wirkt diesem Abbau entgegen, indem es sowohl die Anzahl gesunder Mitochondrien erhöht als auch ihre Funktion verbessert [5].

Spermidin kann Signalwege aktivieren, die zur Neubildung von Mitochondrien führen. Damit steigert es die mitochondrialen Biogenese. Und Spermidin verbessert die Effizienz der mitochondrialen Atmung.

Diese Effekte tragen dazu bei, dass Zellen mehr Energie produzieren, was sich positiv auf den gesamten Organismus auswirkt – insbesondere auf energiehungrige Organe wie Gehirn, Herz und Muskulatur.

Detailreiche 3D-Illustration einer Mitochondrie – die Energie-Kraftwerke der Zellen und ihre Rolle für Stoffwechselgesundheit und Langlebigkeit

4. Proteostase: Qualitätssicherung von Proteinen

Die Proteostase bezeichnet die Kontrolle über die Herstellung (Synthese), Faltung und den Abbau von Proteinen.
Ein gut funktionierendes Proteostase-System ist entscheidend für die Zellgesundheit, da fehlerhafte oder falsch gefaltete Proteine zu neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson führen können.

Unterstützung der Proteostase durch mehrere Mechanismen:

Unterstützung der Proteinfaltung – Spermidin unterstützt die korrekte Proteinfaltung, indem es zelluläre Schutzmechanismen wie die Autophagie aktiviert und die Verfügbarkeit von Chaperonen verbessert – spezialisierten Proteinen, die unter zellulärem Stress für die richtige Faltung komplexer Proteine sorgen.

✔ Spermidin fördert die Bildung von Ribosomen und hilft dabei, Baupläne aus der mRNA effizient in neue Proteine umzusetzen. Dadurch trägt es zur reibungslosen Proteinproduktion in der Zelle bei.

Abbau fehlerhafter Proteine – Durch seine Autophagie-aktivierende Wirkung hilft Spermidin dabei, defekte oder verklumpte Proteine gezielt abzubauen, bevor sie Schaden anrichten können.

Merke: Spermidin wirkt altersbedingten Krankheiten entgegen

Diese Mechanismen sind besonders wichtig für den Erhalt der Zellgesundheit, da mit zunehmendem Alter die Fähigkeit der Zellen zur Proteinqualitätssicherung nachlässt. Spermidin trägt dazu bei, diesen Prozess zu stabilisieren und so altersbedingten Krankheiten entgegenzuwirken.

5. Antioxidative und entzündungshemmende Wirkung

Spermidin wirkt als Antioxidans, indem es freie Radikale neutralisiert, die DNA, Proteine und Zellmembranen schädigen können. Zudem reduziert es oxidativen Stress, eine zentrale Ursache für Zellalterung und chronische Erkrankungen.

Zusätzlich hat Spermidin eine entzündungshemmende Wirkung. Denn es reduziert die Aktivität proinflammatorischer Zytokine, also Botenstoffe des Immunsystems, die Entzündungsreaktionen steuern und verstärken. Zudem moduliert es Immunzellen, die an chronischen Entzündungsprozessen beteiligt sind.

Diese Effekte tragen dazu bei, altersbedingte Entzündungsprozesse („Inflammaging“) zu verlangsamen, was das Risiko für Erkrankungen wie Arteriosklerose, Diabetes und neurodegenerative Krankheiten senkt. [4]

Merke: Spermidin als Lebensverlängerer

Zusammengefasst wirkt Spermidin wie ein Multifunktions-Wartungsstoff für die Zelle: Es optimiert den Stoffwechsel, indem es die Energieproduktion ankurbelt, es räumt auf durch Autophagie, es schützt genetisches Material und es hält die Proteinfabriken in Schuss.
Diese breiten biochemischen Effekte erklären, warum Spermidin in Studien mit so vielen gesundheitsfördernden Ergebnissen assoziiert ist – von verbesserter Organfunktion bis zu längerer Lebensspanne​.

Darstellung von Weizenkörner. Weizenkeimlinge sind primäre Quelle für Spermidin

Wie hoch ist die Menge an Spermidin im Körper?

Die Spermidin-Menge im Körper ist nicht konstant und hängt von Faktoren wie Alter, Ernährung, körpereigener Synthese und Abbau ab. Besonders hohe Konzentrationen finden sich in Organen mit hoher Zellaktivität wie Darm, Thymus und Leber [6].

Alter & abnehmender Polyaminspiegel

Mit zunehmendem Alter sinkt der Polyaminspiegel: Ab etwa 40 Jahren nimmt er allmählich ab und liegt im Seniorenalter deutlich niedriger als in der Jugend.

Interessanterweise zeigen gesunde Hundertjährige jedoch Blut-Spermidinwerte, die denen  Erwachsener im mittleren Alter ähneln.  Gesunde Hundertjährige scheinen also ihren Spermidin-Spiegel gut konserviert zu haben – was Forscher vermuten lässt, dass dies zu ihrer Vitalität beiträgt. [7]  Das rückt Spermidin als potenziellen Biomarker für gesundes Altern in den Fokus [8]. 

Absolute Referenzwerte existieren kaum, da Spermidin im Körper ständig umgewandelt, zu Spermine weiterverarbeitet oder abgebaut wird. Überschüssiges Spermidin kann durch das Enzym Spermidin/Spermine-Acetyltransferase reguliert und ausgeschieden werden.

Welche Lebensmittel sind reich an Spermidin?

Spermidin ist in vielen Lebensmitteln enthalten – Hier eine Tabelle mit den Top spermidinreichen Lebensmitteln und Zutaten:

Spermidin Lebensmittel Tabelle

Hinweis: Die genannten Werte sind grobe Orientierungen aus Lebensmitteldatenbanken und Studien. Tatsächliche Gehalte können je nach Sorte, Anbau, Verarbeitung und Frische variieren. 

Grundsätzlich liefern vor allem pflanzliche Lebensmittel wie Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse (insb. Pilze und bestimmte Gemüsesorten) sowie fermentierte Produkte den Großteil des Spermidins in unserer Nahrung

Welche Rolle spielen Darmbakterien?

Neben der Nahrung ist auch unsere Darmflora eine bedeutende Quelle für Spermidin. Bestimmte Bakterien im Darm produzieren Polyamine wie Spermidin, wodurch die Konzentration im Darm direkt von der Mikrobiota abhängt. Studien zeigen, dass keimfreie Mäuse deutlich weniger Spermidin im Darm haben als normale Mäuse mit gesunder Darmflora. [7] 

Diese bakterielle Produktion beeinflusst den gesamten Organismus: In einer Untersuchung erhöhte die Gabe eines spermidin-produzierenden Probiotikums (Bifidobacterium animalis subsp. lactis LKM512) den Spermidin- und Spermine-Spiegel im Blut älterer Mäuse, was mit geringerer Entzündung und längerer Lebensdauer verbunden war. [7] 

Merke: Eine gesunde Darmflora ist essenziell für Polyamin-Spiegel

Eine gesunde Darmflora trägt somit zur Aufrechterhaltung des Polyamin-Spiegels bei, während ein gestörtes Mikrobiom den Spermidin-Haushalt beeinträchtigen könnte. Daher erforscht man, ob präbiotische Ballaststoffe oder Probiotika gezielt polyaminproduzierende Bakterien fördern können. Unsere Darmbewohner spielen also eine entscheidende Rolle in der Spermidin-Versorgung des Körpers. [7]

Darstellung Wirkung Spermidin im Darm: Ein gesundes Mikrobiom produziert Spermidin

Welche Menge Spermidin sollte man täglich zu sich nehmen?

Es gibt keine offiziell empfohlene Tagesdosis für Spermidin, da es kein essenzieller Nährstoff wie Vitamine oder Mineralstoffe ist. [6]

Durchschnittliche Menge im Ländervergleich

Allerdings zeigen Beobachtungsstudien, dass eine höhere Spermidinaufnahme mit besseren Gesundheitswerten, einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer niedrigeren Sterblichkeit verbunden sein kann. [7]

In diesen Studien lagen die höchsten Aufnahmemengen bei grob geschätzt 10–15 mg Spermidin pro Tag über die Nahrung. [9] Während der Durchschnittsverbrauch in Mitteleuropa oft unter 10 mg/Tag, teils bei nur 5 mg/Tag, liegt – abhängig von der Ernährung. 

Beispielsweise wurde für die USA eine mittlere Aufnahme von rund 8 mg/Tag berechnet, während in der Türkei im Schnitt nur etwa 5 mg/Tag aufgenommen werden. [6] In Spanien wiederum liegt die mittlere Zufuhr beispielsweise bei über ca. 15 mg Spermidin pro Tag.  [6]

Wer gezielt spermidinreich isst (viel Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse etc.), kann seine Aufnahme Richtung 10+ mg/Tag bringen.

Ergebnisse aus der Forschung

In klinischen Studien wurden hingegen oft 1–3 mg Spermidin pro Tag als Supplement getestet, wobei bereits 1,2 mg täglich über drei Monate positive Effekte auf das Gedächtnis älterer Menschen zeigte. [10]

In einer Studie führte eine kurzzeitige Hochdosis von 15 mg/Tag (über 5 Tage) zwar zu erhöhten Spermine-Spiegeln, steigerte aber den Spermidinspiegel im Plasma nicht messbar. [11] Dies legt nahe, dass überschüssiges Spermidin schnell umgewandelt bzw. ausgeschieden wird. 

Das deutet darauf hin, dass regelmäßige, moderate Mengen wirksamer sind als unregelmäßige hohe Dosen.[10, 12] 

Fazit: Unbedenkliche Menge Spermidin

Es gibt keinen offiziellen Sollwert für Spermidin, doch eine tägliche Aufnahme von etwa 10 mg über die Nahrung und 1–2 mg/Tag als Supplement kann gesundheitsfördernd sein.
Eine pflanzenbetonte Ernährung liefert bereits einen Großteil des Bedarfs, während eine moderate Supplementierung eine sinnvolle Ergänzung sein kann. Studien zeigen positive Effekte bereits ab 1,2 mg/Tag, während extrem hohe Mengen kaum zusätzlichen Nutzen bringen. Der Körper reguliert überschüssiges Spermidin selbst, sodass moderate Mengen langfristig wirksamer sind als hohe Dosen. Im Zweifelsfall sollte eine höhere Supplementierung mit einem Arzt oder Ernährungsberater besprochen werden.

Welche Menge supplementieren Biohacker?

Einige Biohacker, wie der Tech-Unternehmer Bryan Johnson, nehmen bewusst höhere Supplement-Menge (~10 mg/Tag) ein zusätzlich zur Spermidin aus der Nahrung. Doch solch hohe Dosen sind experimentell und weit über dem, was für den Durchschnittsmenschen notwendig oder erforscht ist.[13]

Auch andere bekannte Langlebigkeits-Enthusiasten integrieren Spermidin in ihr Tagesprogramm. Der Harvard-Genetiker und Lifespan-Autor David Sinclair  nimmt jedoch ca. 1 mg Spermidin täglich (morgens) ein. [14]

Allgemeine Empfehlung der Biohacker-Community: eher moderate Einnahme

Über einzelne Personen hinaus gibt es allgemeine Dosierungsempfehlungen in der Biohacking-Community, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Viele klinische Studien mit Spermidin nutzen z.B. 1 mg pro Tag als wirksame Dosis. Hersteller von Spermidin-Supplements empfehlen meist zwischen 1 mg und 6 mg täglich, da Mengen bis zu 6 mg als sicher gelten.[15] 

Einige Longevity-Experten raten zu zyklischer Einnahme – also zeitweilig höher dosieren (z.B. 5+ mg für einige Wochen) und dann pausieren oder reduzieren – um dem Körper Reize zur Anpassung zu geben. [16]

So berichtet etwa die Ärztin Dr. Elizabeth Yurth, die mit Asprey über Spermidin sprach, dass auch sie selbst 4 Kapseln täglich (≈2 mg) nimmt und bei bestimmten Patienten zeitweise höhere Dosen in Erwägung zieht. [16]

Von Peter Attia ist nicht bekannt, dass er Spermidin supplementiert.

Merke: Moderat vs. Extreme Supplementierung

Insgesamt liegen die gängigen Einnahmemengen bekannter Biohacker also grob in zwei Kategorien: moderat (≈1–2 mg täglich) bei den meisten – gestützt durch klinische Daten – und hochdosiert (≥10 mg) bei extremen Selbstversuchen wie Bryan Johnson, um möglicherweise stärkere Effekte auf die Zellalterung zu erzielen

Welche Nebenwirkungen hat Spermidin?

Spermidin Nebenwirkungen wurden in Studien bis ~3 mg/Tag keine beobachtet [10] und Selbst deutlich höhere Mengen scheinen gut verträglich (z.B. 15 mg/Tag führte nur dazu, dass überschüssiges Spermidin in Spermine umgewandelt wurde, ohne toxische Effekte [11]. 

Dennoch würden wir empfehlen, sich im Bereich von einigen Milligramm pro Tag zu bewegen und nicht zu versuchen, extrem hohe Dosen zu konsumieren. Wichtig ist auch die Konsistenz: Täglich etwas Spermidin zuzuführen (über Nahrung oder Supplement) dürfte besser wirken als unregelmäßige hohe Dosen.

Unverträglichkeiten Ausgangsstoffe (Weizenkeime & Soja)

Viele Spermidin-Präparate werden aus Weizenkeimen gewonnen, da diese besonders spermidinreich sind. Wichtig: Weizenkeime enthalten von Natur aus Gluten. Ein Spermidin-Extrakt aus Weizenkeimen ist nicht glutenfrei, sofern das Gluten nicht gezielt entfernt wurde. Laut einem Zulassungsbericht sollte ein solches Produkt von Personen mit Glutenintoleranz, Zöliakie oder Weizenallergie strikt gemieden werden [17]. 

Ähnliches gilt für Soja als Spermidin-Quelle. Sojabohnen und daraus fermentierte Produkte (z.B. Natto) sind ebenfalls spermidinreich und werden teils zur Supplement-Herstellung genutzt. Soja-Allergiker laufen Gefahr, bei solchen Produkten auf Soja-Proteine zu stoßen.

Neben Weizen und Soja gibt es keine weit verbreiteten spezifischen Allergene im Zusammenhang mit Spermidin – das Spermidin-Molekül selbst ist körpereigen und löst keine Immunallergie aus. 

Merke: Nebenwirkung & Allergien

Spermidin gilt bis zu 3 mg/Tag als gut verträglich, selbst höhere Mengen zeigen keine toxischen Effekte. Überdosierungen sind unnötig, da überschüssiges Spermidin umgewandelt oder ausgeschieden wird. Wer Weizenkeim- oder Soja-basierte Präparate nutzt, sollte bei Gluten- oder Sojaunverträglichkeiten auf Alternativen achten.

Fazit: Spermidin als Schlüssel zur Zellgesundheit

Spermidin ist ein faszinierendes Molekül mit weitreichenden Auswirkungen auf die Zellgesundheit. Es unterstützt die Autophagie, stabilisiert DNA, verbessert die Mitochondrienfunktion und trägt zur Proteinhomöostase bei. Studien zeigen, dass eine ausreichende Zufuhr von Spermidin durch Nahrung oder moderate Supplementierung zahlreiche gesundheitsfördernde Effekte haben kann. Dabei ist eine konstante, moderate Aufnahme langfristig effektiver als gelegentliche hohe Dosen.

Freue dich auf Teil 2! 

Während wir in diesem Beitrag eine Einführung zu Spermidin und die positiven Effekte betrachtet haben, gehen wir in Teil 2 der Serie auf eine spannende und kontroverse Frage ein: Ist Spermidin möglicherweise krebserregend? Wir widmen uns der vielfach gestellten Frage, ob hohe Spermidinwerte im Zusammenhang mit Krankheiten stehen. Dabei beleuchten wir die aktuelle Forschung zu Spermidin und Erkrankungen wie Krebs, Alzheimer und erklären, worauf man achten sollte. Bleib dran!

Quellen

[1] Sagar, N. A., Tarafdar, S., Agarwal, S., Tarafdar, A., & Sharma, S. (2021). Polyamines: Functions, Metabolism, and Role in Human Disease Management. Frontiers in Molecular Biosciences, 8, Article 8293435. 

[2] Wikipedia contributors. (n.d.). Spermidine. Wikipedia, The Free Encyclopedia. Abgerufen am 22. Februar 2025, von https://en.wikipedia.org/wiki/Spermidine

[3] Liao, C.-Y., et al. (2021). The autophagy inducer spermidine protects against metabolic dysfunction during overnutrition. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 118(23), e2024849118. 

[4] Kell, L., Simon, A. K., Alsaleh, G., & Cox, L. S. (2023). The central role of DNA damage in immunosenescence. Frontiers in Aging, 4, 1202152. 

[5] Szabo, L., Lejri, I., Grimm, A., & Eckert, A. (2024). Spermidine enhances mitochondrial bioenergetics in young and aged human-induced pluripotent stem cell-derived neurons. Antioxidants, 13(12), 1482. 

[6] Muñoz-Esparza, N. C., Latorre-Moratalla, M. L., Comas-Basté, O., Toro-Funes, N., Veciana-Nogués, M. T., & Vidal-Carou, M. C. (2019). Polyamines in food. Frontiers in Nutrition, 6, 108. 

[7] Madeo, F., Bauer, M. A., Carmona-Gutierrez, D., & Kroemer, G. (2018). Spermidine: A physiological autophagy inducer acting as an anti-aging vitamin in humans? Autophagy, 15(1), 165–168. 

[8] Jimenez Gutierrez, G. E., et al. (2023). The molecular role of polyamines in age-related diseases: An update. International Journal of Molecular Sciences, 24(22), 16469. 

[9] Steichen, P., et al. (2023). Spermidine content of selected dietary supplements: Potential for improvement? Functional Foods in Health and Disease, 13(5). 

[10] Schwarz, C., et al. (2018). Safety and tolerability of spermidine supplementation in mice and older adults with subjective cognitive decline. Aging (Albany NY), 10, 19–33. 

[11] Senekowitsch, S., et al. (2023). High-dose spermidine supplementation does not increase spermidine levels in blood plasma and saliva of healthy adults: A randomized placebo-controlled pharmacokinetic and metabolomic study. Nutrients, 15(8), 1852. 

[12] Zarama, V., et al. (2023). The effect of spermidine supplementation on cognitive function in adults: A mini-review. Principles and Practice of Clinical Research Journal, 9(3). 

[13] Bryan Johnson. (n.d.). Blueprint: Diet and Supplements. Retrieved [22.02.2025], from https://protocol.bryanjohnson.com/#diet-and-supplements

[14] Novos Labs. (n.d.). Best anti-aging supplements that Harvard scientist David Sinclair takes. Retrieved [22.02.2025], from https://novoslabs.com/best-anti-aging-supplements-that-harvard-scientist-david-sinclair-takes/

[15] spermidineLIFE. (n.d.). FAQ. Retrieved [22.02.2025], from https://spermidinelife.com/de-de/pages/faq

[16] Asprey, D., & Yurth, E. (2020). Trigger autophagy without fasting – Dr. Elizabeth Yurth talks spermidine with Dave Asprey (Episode 773) [Podcast transcript]. Retrieved [22.02.2025], from https://daveasprey.com/wp-content/uploads/2020/12/Trigger-Autophagy-Without-Fasting-%E2%80%93-Dr.-Elizabeth-Yurth-Talks-Spermidine-with-Dave-Asprey-%E2%80%93-773.pdf

[17] U.S. Food and Drug Administration (FDA). (n.d.). GRAS Notice (GRN) No. 889: Wheat germ extract. Retrieved [22.02.2025].

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